Du bist en Freßklütsch...ein Kölner Original

Arnold Klütsch - ein kölsches Original

Es gibt viele Originale aus der Domstadt. Die bekanntesten sind wohl Tünnes und Schäl aus dem Hänneschen-Theater, obwohl die beiden lustigen und typisch Kölschen "Zeitgenossen" nie wirklich gelebt haben und daher im Prinzip keine Originale sind. Aber für den Kölner doch stets unsterblich und in der kölschen Mentalität zu jederzeit präsent. Aber es gab andere Originale, reale und lebende Personen, die für Ihre Art und Ihre Geschichten unsterblich in der Kölner Stadtgeschichte verankert sind. Einer davon ist wohl der Freßklütsch bzw. Arnold Klütsch. Er wurde bekannt durch viele Geschichten in Köln. Er lebte auf dem Eigelstein im so genannten Stavenhof, unweit des heutigen Brauhauses Kölsche Boor. 

Am bekanntesten ist Johann Arnold Klütsch wohl durch die folgende Geschichte:

Er verdiente sich zeitweise sein Geld als Hafenarbeiter. Als er einmal einen holländischen Frachter mit Käserädern entladen hatte, erhielt er als Lohn ein ganzes Rad Käse. Auf dem Weg zurück in die Stadt musste er nun durch ein Stadttor an dem ein Wachposten den üblichen Zoll verlangte. Dies empörte Klütsch, hatte er doch seinen Dienstlohn in Händen. Da er aber so nicht durch das Tor kam, setzte er sich davor nieder und begann langsam, den ganzen Käse aufzuessen. Dieses Ereignis trug ihm dann den Namen „Freßklütsch“ ein. Noch heute gebraucht man den Ausdruck „Freßklütsch“ im Kölschen für Jemanden, der Unmengen an Essen verschlingen kann.

Eine weitere Geschichte, die sich eher um seine großen Kräfte rankt, ist die folgende:

 

Er hat wohl einigen Franzosen, die mit dem Abladen von Kanonenrohren beschäftigt waren im Vorbeigehen eine etwa 1000kg schwere entwendet, ist mit dieser durch eine Eichentür (die daraufhin zerbrach) und hat die ihn verfolgenden Franzosen abgehängt und die Kanone im Hause eines Bekannten ablegen können. Da er alleine durch seine kräftige Statur stadtbekannt war, wurde er angeklagt, die Klage aber fallengelassen, da das Gericht diese Tat für einen Menschen unmöglich hielt, worauf sich Klütsch bedankt haben soll und mit der Kanone (dem Beweisstück) tänzelnd den Gerichtssaal verlassen haben soll.

 

Es gibt noch diverse Wettberichte, die durch Zeitungsberichte aus der damaligen Zeit überliefern, dass Herr Klütsch nicht nur zu erstaunlichen Kraftleistungen im Essen und Trinken fähig war, sondern diesen Gelegenheiten auch nicht aus dem Wege ging.

Er ließ sich gerne auf diese Arten von Wetten ein, war aber insgesamt eher ein gutmütiger Charakter, auch wenn er wegen seiner Fähigkeiten oft Zielscheibe derber Witzeleien war – er gab sich nie gekränkt und lachte herzlich mit. 

Herr Klütsch nahm aktiv an der Wiedergeburt des Kölner Karnevals im Jahre 1823 teil und besuchte und gestaltete Sitzungen und Umzüge. Außerdem war am Auf- und Ausbau der Freiwilligen Feuerwehr tätig. 

 

Auf seine Person wird in mehreren Versen, Gedichten und sogar Karnevalsliedern Bezug genommen. Unter seinem Porträt, im Jahre 1834/35 von Simon Meister gemalt, soll vordem der folgende Fünfzeiler gestanden haben:

Loht mer noch ene Schobbe krige:

Wer weiss, ov mer morge noch en sin,

dann han mer den doch noch.

Wann mer morgen dudt sin,

dann brengt uns keiner jet noh!

 

Des Schreibens und Lesens erst unkundig lernte er vermutlich durch seine Frau dies recht schnell nach und wurde dadurch zum Gehilfen von Professor Ferdinand Franz Wallraf bei der Bewertung und Benennung von Antiquitäten. Bald eröffnete er durch die Mitgift seiner Frau ein eigenes Althändlergeschäft.

 

 

Geboren wurde Johann Arnold Klütsch am 23. Februar 1778 (oder 1775) in Köln im Klostergäßchen am St. Laurenz Nr. 2007, heute Laurenzgittergässchen Nr. 2.  Gestorben ist er am 29. November 1845 in Köln, Eigelstein 97. Er war von Beruf: Althändler, Taxator der Stadt Köln. Er wurde also min. 68 Jahre alt – trotz seiner recht ungesunden Lebensweise.

Die Diskrepanz im Alter und Ehedauer ergibt sich aus der Todesanzeige durch seine Ehefrau und 2 Söhne und der Eintragung im Kirchenbuch der St. Columba-Pfarre.

Zur Richtigstellung sei hier erwähnt, dass die durch das Wort Freßklütsch hervorgerufene falsche Vorstellung eines „verkommenen, nur auf Essen und Trinken versessenen, gierigen Menschen“ nicht stimmt, Herr Klütsch war ein ordentlicher Bürger, ein Mann aus dem Volke, der sich bei den Kölnern eines hohen Ansehen erfreute.

 

Quellen: 

Reinold Louis „Kölner Originale“ Greven Verlag Köln, 1985

Tilman Röhrig „Sagen und Legenden von Köln“, Wienand Verlag 1987

 

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